ein Strom von Gefühlen, deren Beschreibung keine Federwagen darf.
Als sich Beide wieder etwas gefaßt hatten und des ru-higen Sprechens und Hörens fähig waren, bat Franz Ro-salien um Mitthcilung ihrer Geschichte.
„Sic erinnern sich," sagte sie, „daß Sic mich, um Le-bensmittel anznschaffcn, in dem wüsten Schlosse allein lie-ßen. Ich hoffte, Sie würden bald zurückkchren; aber csvergingen acht oder neu» Stunden, die mir eine Ewig-keit schienen, und ach! Sie kamen noch nicht! Meine Ver-zweiflung war ohnc Gränzen.
Ich stand weinend an der Landstraße. Ein Reisenderfragte, was mich betrübe. — Ich habe meinen Bruderhier im Walde verloren, antwortete ich. — Reisen Siemit mir, schönes Kind! sprach er: Wir wollen ihn suchen.— Ich sagte Nein und floh. Aber er sprang aus demWagen, ergriff mich, trug mich hinein und befahl demPostillion, schnell fvrtzufahrcn. Bitten und Geschrei wa-ren vergebens; er ließ mich nicht wieder frei, und ver-sprach mir goldnc Berge, wenn ich mich ruhig verhielte.Er rühmte sich des Besitzes großer Ncichthümcr, und erbotsich mit den heiligsten Betheucrungcn, väterlich für michzu sorgen und mich wie ein Fürstcnkind erziehen zu lassen.Ich schwieg und nahm mir vor, ihm zu entspringen; dochcs war nicht möglich. Er bewachte mich auf der ganzenReise wie eine Gefangene, und so kamen wir nach W".
Hier übergab er mich der Aufsicht einer Hofmcisterin,die mir keinen Augenblick von der Seite wich. Ich konnteden Vorsatz des Entflichcns nie ansführen. UebrigcnS ginges mir wohl. Ich ward von ihm und ihr anständig be-handelt, und in allen weiblichen Künsten der feinen Weltunterrichtet. In dieser Rücksicht befand ich mich in bef-