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5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
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Das Mädchen war ein Engel von Gcniüth; aber dieMutter hatte kein mütterliches Herz. Eitelkeit und Ge-fallsucht beschäftigten sie immerfort am Pntztischc, und jag-ten sic von Gesellschaft zu Gesellschaft. Indessen warRosa der Aufsicht einer gemeinen, ungesitteten Wärterinüberlassen.

Nach und nach entwickelte sich bei der Mutter ein offen-barer Haß gegen das Kind: denn sic, die gern jüngerscheinen wollte, als sie war, betrachtete das HeranwachsendeMädchen als eine Verrätherin ihres dreißigjährigen Alters.Sie konnte dcßhalb ihre Tochter nicht vor Angen sehen,und verwies sie in ein abgelegenes Hintergcmach, ohnesich Wochen lang um sic zu bekümmern. Nur unter derZeit, wenn die lieblose Mutter im Schanspiclhausc oderin Assemblern glänzte, entschlüpfte Rosa ihrem Gefängnisseund wir plauderte» mit einander. Sie klagte mir ihreLeiden; ich ergrimmte gegen die Mutter, und faßte oftden Entschluß, sic tapfer zur Rede zu stellen; aber Rosa,die dann noch härtere Behandlungen befürchtete, mahntemich mit den dringendsten Bitten davon ab.

Einst aber, als sie ohne Grund ans eine unmenschlicheWeise geschlagen worden war, sagte ich der Tprannin insAngesicht: sic sep eine Rabenmutter. Das Weib, dasmir sonst immer freundlich begegnete, ward darüber zueiner Furie, warf mich zur Thür hinaus, verklagte michbei meinem Vater, mißhandelte von nun an ihre Tochternoch grausamer als zuvor, ließ ihr keine andere Nahrung, alsWasser und Brod, zukommen, und schien so entschlossen,das unglückliche Kind durch langsame Martern aus derWelt zu schaffen. Rosa verging wie ein Schatten; nie-mand nahm sich ihrer an; ich, ihr einziger Freund, einunbedeutender Knabe von zwölf Jahren, konnte nichts