Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

100 S<>-

31 .

Verschiedene Gedanken bei einem alten Trink-sprnche.

Dorothee liebte den Stabtdirector so wenig, als irgendeinen andern Menschen; aber mit seinem Titel hätte siesich gern vermählt. Sie schmückte sich daher sehr sorg-fältig für den vornehmen Abendgast; die Mutter bereiteteseine Licblingsspciscn, die sie noch von alte» Zeiten herkannte, und der Vater krönte diese feierlichen Anstaltenmit seiner besten Perücke, die er aufsctzte. Das war keingeringes Zeichen der Achtung. Er Pflegte sonst jeden Be-such im Schlafrock und mit der Nachtmütze zu empfangen.

Nikodemus kam. Anfangs betrug er sich bei aller Ehre,die man ihm erwies, wie ein kalter, gefühlloser Block. Ersprach einsplbig vom Wetter und von Zeitungsgeschichten,und schien das reizende Dorchen, dem er noch vor weni-gen Monaten so zärtlich gestöhnt hatte, kaum zu bemerken.Vergebens bemühte sich die Mutter, durch Anspielungenund Neckereien die getrennten Seelen einander wieder sonahe zu bringen, wie sic die Körper bei der Tafel in nach-barliche Berührung gesetzt hatte.

Der Director fuhr eine Stunde lang fort, sich kostbarzu machen. Die Demüthigung der Leute, die noch vorKurzem mit Gcldstolz hoch über ihn wcgsahcn, that ihmsehr wohl. Herr Jonas hatte wegen dieses seltsamen Be-nehmens die größte Lust, mit Grobheiten gegen ihn ans-zufallcn; doch das Schwert der Gerechtigkeit, das überseinem Haupte an einem Roßhaare hing, erhielt ihn inFurcht. Er stürzte voll Ingrimm ein Glas über das andereaus, und auch Dorchen schenkte, durch der Mutter Winkedazu aufgefordert, ihrem Nachbar fleißig ein. Das Feuer