93
den, machte er den zierlichsten Bückling, den ihn sein Tanz-meistcr gelehrt hatte, drang Wilhelminen einen Handkußauf, und fragte mit der süßesten Melodie seiner Stimme,ob er die Ehre haben könne, den Herrn Papa zu sprechen.„Ich will Sie zu ihm führen," sagte das Mädchen, undtrippelte flüchtig voran. Windmantel bat, nicht so zu eilen,damit der kurze Weg, den er in ihrer Gesellschaft zu einerTage- oder Lebensrcise auszudehnen wünschte, nicht nochkürzer werde. — Das erröthende Mädchen hatte nicht Zeit,das niedliche Kompliment zu beantworten; den» schon tratder Papa, der eine fremde Stimme gehört hatte, aus sei-ner Stube heraus und fragte den jungen Menschen, waser bringe.
„Einen Brief vom Kaufmann Franz!" antwortete Wind-mantel mit einer feierlichen Verbeugung.
„Was Kaufmann! was Kaufmann!" fuhr Jonas auf.„Ich kenne keinen Kaufmann Franz." —
„So werden Sie ihn hieraus kennen lernen;" sagte derBote, und reichte das schon zurückgestoßene Schreiben noch-mals hin.
Jonas nahm und erbrach es mit Hast, las ein paarWorte, zerriß das Papier in kleine Stücke und warf siedem Abgesandten vor die Füße. „Da ist meine Antwort!"schrie er dabei. — „Ach, lieber Vater!" sagte Wilhelmincmit einem flehenden Tone, und streichelte seine Hand. Aberer stieß die Friedensmittlerin vor sich her in die Stube,und schlug hinter sich die Thür so gewaltig zu, daß derKalk von der Wand fiel.
Da stand nun der zierliche Ladendiener allein und gingmit sich zu Rathe, was er thun wolle. Es war ihm,Wilhelminens wegen, sehr unangenehm, daß zwischen sei-nem Herrn und dem Bulling'schen Hause solcher Unfriede