Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
88
Einzelbild herunterladen
 

Augen zu machen. Dieß zu hoffen, wäre Wahnsinn gewe-sen, hätte nicht zwanzig oder dreißig Jahre nach der Zeit,von welcher der angebliche Gnadcnbrics datirt war, eineFeuersbrunst im Rcgieruugsarchive gewüthet und eine Mengeder dort aufbewahrtcn Schriften verzehrt. Herr Rauf meyntedaher, die Regierung würde sich wenn sie nach einerSpur des Privilegiums, das er ihr vorlegen wollte, inihrem Archive vergebens gesucht hätte gutwillig verstel-len : die darüber gehaltenen Akten wären verbrannt.

Doch das alles war noch nicht genug. Der Directormußte notwendig mit in die Jntriguc gezogen werden:denn das Rathsarchiv war nie vom Feuer hcimgcsuchtworden, cs hatte sich also wenigstens hier ein Aktenstücküber das oft erwähnte Privilegium finden müssen, undwar kcins vorhanden, so lag der Betrug am Tage. DerAdvokat rieth deßhalb seinem Klienten, mit dem Directorohne Verzug Frieden zu machen, und sich, als die ersteneue Frcundschaftsprobc, seinen Beistand zu erbitten. Ersagte: es scp dem gewandten Ncchtsmann etwas Kleines,ein Protokollchcn im Geschmack der Vorzeit abzufaffcn,und alle Bedenklichkeiten, die der Regierung etwa nochaufstoßcn könnten, dadurch aus dem Grunde zu heben.

Jonas sah dieß vollkommen ein, konnte sich aber nichtentschließen, dem Director nachzugcbeu und ihm mit einemFriedcnsantragc entgegen zu gehen.Potz tausend!" riefer aus:was würde der Mensch stolz werden, wenn ich,der reichste Mann der Stadt, mich so vor ihm beugte!Nein ! ehe nicht alle Stränge reißen, geschieht das nicht!"

Es ward also beschlossen, das geräucherte Privilegiumvor der Hand ruhen zu lassen, und noch ein Weilchen zuversuchen, ob Franz durch Privatncckcreicn dahin zu brin-gen sep, das Feld zu räumen.