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5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
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Wilhelminc, die jüngere Tochter, ein wohlgebildctcSMädchen von sechzchen Jahren, glich an Geist und Kör-per ihrer Familie so wenig, daß oft die Mutter im Zornsagte: sie scp ei» Wechsclbalg, den ihr im Wochenbetteder böse Feind statt ihres rechte» Kindes untergeschobenhabe. Es war auch an dem, daß sich Wilhelminc ganzund gar nicht in die Sitten des Hanfes fügte. Wennihre Mutter vor der dampfenden Kaffeekanne auf dem Rich-terstnhlc saß, und von redseligen Gevatterinnen, wie vonSchöppen umringt, über das ganze Städtchen den Stabbrach: da redete die verstockte Dirne kein Wort, und thatsic ja den Mund auf, so geschah cs bloß, um eine vcrur-theiltc Person zu vcrtheidigen. Die Dcfcnsionsgcbührcn,die sie dafür erhielt, bestanden nicht selten in Ohrfeigen;doch das schreckte sic nicht ab, sich bei der nächsten Ge-richtssitzung wieder eben so zu betragen.

Sic war ferner, zum höchsten Acrgcr ihrer Verwand-ten, die Schutzpatronin des von jenen unaufhörlich gepei-nigten und verfolgten Hausgesindes, und vertuschte mancheVerwahrlosung zerbrechlicher KLchcngcschirre oder anderekleine Fehler, die, ohne ihre Einmischung, der thcurenMutter eine herrliche Gelegenheit verschafft hätten, denRcichthum ihrer keruhastcn Schimpfwörter von der Nach-barschaft bewundern zu lassen, sich mit Besen und Ofcn-gabcln auf dem Rücken der Sünderin eine gesunde Be-wegung zu machen, und ihr am Ende des Vierteljahresden schweren Liedlohn von baaren drei Thalern, als Scha-denersatz, abzusprcchen oder zu kürzen.

Sollte Wilhelmine Hühner abkehlcn oder Tauben wür-gen, so verkroch sie sich in irgend einen Winkel, wo sicniemand finden konnte, oder sie floh wohl gar so langeaus dem Hause, bis die Schlachtopser unter den rüstigen