rechte Vorwurf, den man einem nützlichen und unentbehr-lichen Stande macht! — Sorgen und arbeiten denn nichtauch andere Leute für fich und die Ihrigen? Und ist nichtdas ganze menschliche Leben ein beständiger Handel undVerkehr? — Wollte Gott, cs machten sich alle Menschenum ihre Mitbürger so verdient, als der Kaufmann! Erversieht uns schnell und auf der Stelle mit allen Noth-wendigkeiten des Lebens, die man, ohne ihn, weither müh-sam znsammenbringcn oder ganz entbehren müßte." —»Je, Freund, so willst Du wohl gar aus reiner Men-schenliebe einen Laden eröffnen?" —
Mit brennenden Wangen verbat sich Franz allen Spott.„Ich kann mir nicht Helsen," entgegncte Moritz, „ichmuß Dich einen Wctterhahn schelten. Es sind kaum zwölfStunden, als Du von der Kleinstädtcrei verächtlich sprachst,und nun willst Du Dich Plötzlich hier cinbürgcrn. Dasist doch wahrlich höchst wunderbar!" —
Franz, dem diese neckenden Vorhaltungen etwas lästigwurden, unterbrach sie rasch durch das Geständniß: cshabe ihn in dem Augenblicke, als er das Mädchen vomSchlöffe gesehen, ein Blitzstrahl der Liebe getroffen, unddieß sey der wahre einzige Grund seines Entschlusses, derweder durch Spott noch Ernst wankend gemacht werdenkönne. Er fühle, sprach er, daß er ohne den Besitz jenesMädchens keine frohe Stunde haben würde; doch einetröstliche Ahnung sichere ihm Gegenliebe zu. Aber freilichsey dieß kein Werk weniger Tage, weil der düstere Cha-rakter des Vaters und die Grämlichkeit der alten Sitten-meisterin es ihm wahrscheinlich sehr erschweren werde, sichder Geliebten zu nähern. Drum müsse man auf einelange stumme Liebe gefaßt scyn, und die Lösung des Kno-tens der Zeit und dem Schicksal überlassen. Bis dahin