er zog gleichsam von einem Planeten in den andern. Ueberdas ausstcigcnde verhüllte Gefilde strömte der Nachtwind undzog einsam von Wald zn Wald, und spielte kräuselnd amGefieder des schlafenden Vogels und des schwirrenden Nacht-schmetterlings. Viktor sah hinüber zur Abcndröthe, die dieNacht, wie eine Vorstcckrose vor den Busen, an dem die Son-nen liegen, vorgenommen hatte. Das Meer der Ewigkeitstand in Gestalt der Nacht ans dem Silbersand der Weltenund Sonnen, und aus dem Meeresgrund blinkten die Sand-körner tief herauf.
Um die Trauerbirke nahm ein unbekanntes melodischesTönen zu, das er schon heute auf der Insel gehört; endlichstand er oben unter der Birke, und das Tönen, wie das ei-ner Harmonika, das erst über Paradiese und durch Blumen-heckcn geflossen ist, war laut um ihn; aber er sah nichtsweiter, als einen hohen Graöaltar (die Geburtstätte vonEmanuels Brief) und eine tiefe Graöbank. Aus welcherunsichtbaren Hand, dacht' er schauernd, gehen diese Töne, dievon Engeln abzuglciten scheinen, wenn sie über die zweiteWelt fliegen, von vereinigten Seelen, wenn eine zu großeWonne sich zum Seufzer ausathmet und der Seufzer sich inverwehtes Getön zerlegt. Es ist ihm zu vergeben, daß eran einem solchen Tage, der seine Seele in immer größereErschütterungen setzte, in diesem Schauder der Nacht, unterdiesem melodischen Trauerbaum, an diesem Allcrheiligstendes unsichtbaren Emanuels, daß er endlich glaubt, dieser seian diesem Abend aus dem Leben geflohen, und seine Seelevoll Liebe fliege noch in diesen Echoö um ihn und sehne sichnach der ersten und letzten Umarmung. Er verlor sich im-mer mehr in die Töne und in die Stille rings um sie —