seine Seele wurde ihm zu einem Traum, und die ganze Nacht-landschaft wurde zum Nebel aus Schlaf, in dem dieser lichteTraum stand — die Quelle des unendlichen Lebens, die derEwige ausgießet, flog weit von der Erde im unermeßlichenBogen mit den stäubenden Silberfunken der Sonnen überdie Unendlichkeit, sie bog sich glimmend um die ganze Nacht,und der Wiedcrschcin des Unendlichen bedeckte die dunkleEwigkeit.
O Ewiger, wenn wir deinen Sternenhimmel nicht sähen,wie viel wüßte denn unser in den Erdenkoth untergesunknesHerz von dir und von der Unsterblichkeit? —
Plötzlich wurde in Osten die Nacht lichter, weil der zer-flossene Schimmer des Mondes an den Alpengebirgen, dieihn bedeckten, heraufschlug — und auf einmal wurden dieunbekannten Tone lauter und die Blätter und der Nacht-wind. Da erwachte Viktor wie aus einem Traume und Le-ben, und drückte die harmonischen zerrinnenden Lüfte an dieschmachtende Brust, und rief unter den vorquellcnden Thrä-ncn, die ihm das ganze Gefilde wie eine Regenwolke ein-hüllten, außer sich aus: „Ach Emanuel, komme! — ach ich„dürste nach dir. — Töne nicht mehr, du Seliger, nimm„dein abgelegtes Menschenangesicht und erscheine mir, und„tödte mich durch einen Schauder und behalte mich in deinen„Armen!" . . .
Siehe! als der dunkle Thränentropfen noch auf demAuge lag und der Mond noch hinter den Alpen verzog: dastieg den Berg herauf eine weiße Gestalt mit zugcschlosscnenAugen — lächelnd — verklärt — selig — gegen den Siriusgewandt-
„Emanuel, erscheinst du mir?" rief bebend Horion und