— Und die Seele des Menschen wird immer größer gemacht
vom nahen Unsichtbaren--
Ich liebe Dich sehr! —
Emanuel.
Horion laö durch schwimmende Augen: „ach, wünscht'„er, war' ich schon heute mit meinem unordentlichen Herzen„bei dir, du Verklärter!" und setzt siel ihm erst die Nähedes Johannistages ein, und er nahm sich vor, ihn da zusehen. Die Sonne war schon verschwunden, die Abendröthesank wie eine reife Aepfelblüte hinab, er suhlte nicht dieheißen Tropfen auf seinem Angesicht und den Eisthau derDämmerung an seinen Händen, und irrte mit einer vonTräumen erleuchteten Brust, mit einem beruhigten, mit derErde auögesöhnten Herzen zurück.-
— Beiläufig! ist's denn nöthig, daß ich eine Schutz-schrist ausarbeite für Emanuel als Stylisten und als Sty-liten (im höher» Sinne)? Und wenn sie nöthig ist, brauch'ich darin etwas anders beizubringen als dieses — daß seineSeele noch das Echo seiner indischen Palmen und des Gan-gesstromes ist — daß der Gang der bessern entfesseltenMenschen, so wie im Traume, immer ein Flug ist — daßer sein Leben nicht wie Europäer mit fremdem Thierblutdüngt oder in gestorbnem Fleisch auöwärmt, und daß diesesFasten im Essen (ganz anders als das Ueberladen imTrinken) die Flügel der Phantasie leichter und breiter macht
— daß wenige Ideen in ihm, da er ihnen allen geistigenNahrungsaft einseitig zuleitet, (welches nicht nur Wahn-sinnige, sondern auch außerordentliche Menschen von ordent-lichen abtrennt) ein unverhältnißmäßiges Gewicht bekommen
Jean Paul'S anSgew. Werke. III. 1Z