ganze Seele und mein kleines Leben, nnd die Sonne ist dasSiegel auf dem Bunde zwischen mir und Dir.
Ich kenne Dich, Geliebter; aber weißt Du, wessenHand Du in Deine genommen? Sieh, diese Hand hat inAsten acht edle Augen zugeschlosscn — mich überlebte keinFreund — in Europa verhüll' ich mich — meine trübe Ge-schichte liegt neben der Asche meiner Eltern im GangeS-strom, nnd am 24stcn Junins des künftigen JahreS geh' ichaus der Welt. . . O Ewiger, ich gehe — am längstenTage zieht der glückliche Geist geflügelt aus diesem Son-nentempel, nnd die grüne Erde geht auseinander und schlägtüber meine fallende Puppe mit ihren Blumen zusammen,und deckt das vergangne Herz mit Rosen zu . . .
Wehe größere Wellen auf mich zu, Morgenluft! Ziehemich in deine weiten Fluthen, die über unfern Auen undWäldern stehen, und führe mich im Blütengewölk' über fun-kelnde Gärten und über glimmende Ströme, und laß mich,zwischen fliegenden Blüten und Schmetterlingen taumelnd,unter der Sonne mit auSgcbreitctcn Armen zerfließend, leiseüber der Erde schwebend sterben, und die Bluthülle fallezerronnen zu einer rothen Morgenflockc, gleich dem Ichordes Schmetterlings *), der sich befreiet, in die Blumen herab,und den blauhellen Geist sauge ein heißer Sonncnstral ausdem Roscnkclch des Herzens in die zweite Welt hinauf. — —Ach ihr Geliebten, ihr Abgeschiednen, seid ihr's, zieht ihrdenn jetzt als dunkle Wellen**) im bebenden Blau des Him-
*) Den Schmetterlingen entfallen in ihrer letzten Verwandlungrothc Tropfen, die man sonst Blutrcgcn hieß.
**) Wenn man lange ins Himmelblaue schauet: so fängt cs