„ich denn heute nicht, was ich gestern war und vielleicht mor-„gen seyn werde? — Was gewinnt der Mensch durch dieses„Auf- und Unterlochcn? Und auf was kann er in sich denn„bauen?"
Unerdessen hatte sich das Feuerrad der Erdenzeit, dieSonne, gießend heraufgedreht, und brannte am Ufer derErde. — Er riß das Fenster auf und wollte die unbedeckteBrust im frischen Morgenwinde baden, und das heiße Augeim rothen Meer Auroreus; aber etwas in ihm drängte sichwie ein Nachgeschmack zwischen den Genuß des Morgenlan-des. Ein guter Mensch ist unter den Gewissensbissen künf-tiger Handlungen durchaus zum Genüsse verdorben.
Es stieg in ihm eine übermanncnde Rührung langsamauf — die gestrige Nacht trug wieder ihren leuchtenden Re-gen, sein brausendes Herz und Emanuels Schatten vorüber— er lief immer stärker und zwar in die Quere durchsZimmer — strickte den Schlafrock knapper an — schüttelteetwas aus dem Auge — that einen steilrechten Sprung —schnellte ein „Nein!" hervor und sagte mit einem unaus-sprechlich-heitern Lächeln: „Nein! ich will meinen Flamin„nicht betrügen! Ich will sie weder suchen noch meiden, und„ihre Freundschaft nicht eher begehren als zur Zeit seines„höchsten Glücks. Wie dich da*), so will ich die himmlische„Glanzbüste anschauen, und nicht begehren, daß sie Wärme„annehme und das kalte Gypöauge auf mich wende. Aber„du, mein Freund, sei glücklich und ganz selig, und merke„nicht einmal meinen Kampf!"
*) Die Büste des Vatikanischen Apollo, an der er keine andreGestalt bilden lernen wollte, als seine eigne.