144
einander ohne Zögern mit dem Seufzer in die Arme: „achwohl sind wir einander ähnlich und bekannt!" — Warummüssen erst die Flcischstatüen, worein unsre Geister eingc-kcttet sind, zusammenrücken und einander betasten, damit diedarin vermummten Wesen sich einander denken und lieben?— Und doch ist's so menschlich und wahr: was nimmt unsdenn der Tod anders als Fleischstatücn — als das geliebteAngesicht unfern Augen — als die thcucrc Stimme unfernShrcn, und die warme Brust der unsrigen? . . . AchEmanucl! sei für mich kein Todter! Nimm mich an! Gibmir Dein Herz! Ich will es lieben! — Ich bin nicht sehrglücklich, mein Emanuel! — Da mein großer Lehrer Da-höre — dieser glanzende Schwan deS Himmels, der vomzerknickten Flügelgclenk ans Leben befestigt, sehnend zn an-dern Schwänen aufsah, wenn sie nach den Würmern ZonendeS zweiten Lebens zogen — aufhörte an mich zu schreiben:so that cr's mit den Worten: „suche mein Ebenbild! Deine„Brust wird so lange bluten, bis du mit einer andern die„Narben bedeckst, und die Erde wird dich immer stärker„schütteln, wenn du allein stehest — und nur um den Ein-samen schleichen Gespenster."-Emanucl, bist Du nicht
ruhig und sanft und nachsichtig? — Sehnet sich Deine Seelenicht, alle Menschen zu lieben, und ist ihr nicht ein einzigesHerz zu enge, in das sie mit ihrer Liebe wie eine Biene ineine eingeschlafene Tulpe eingcschlofsen ist? — Hast Dunicht satt das Repetirwerk unseres Freuden- und Traucrge-läutes, die Familienähnlichkeit aller Abende und Zeiten? —Schauest Du nicht von dieser dahin gerissenen Erde hinausauf Deinen langen Weg über Dir, damit Dich nicht ekleund schwindle, wie man eben deswegen auö dem Wagen