102
den zu geben glaubte, als durch das stärkste sympathetischeLob Klotildens; FlaminS Liebe gegen sie ging durch dieFreundschaft in seine Seele über. Die Empfindung für dieGeliebte eines Freundes führt eine unnennbare Süßigkeitund moralische Zartheit mit sich. Für Viktor steh' ich indiesem Punkte, daß er zwar begriff, wie ein Freund demandern die Liebe zum Opfer bringen, aber nicht begriff, wieder andere das Opfer annehmen könne; allein für Flaminsag' ich nicht gut, daß er kalt und Menschenkenner genugist, um die Preismünzen, die Viktor auf Klotildcn schlägt,und woraus er ihr schönes Angesicht und sein Wappen setzt,immer für eben so viele Münzen äs coiümiics, und fürPfänder der brüderlichen Treue anzusehen. Er war zu brau-send und zu ehrgeizig, um die Wahrheit zu sehen, ja nuranzuhörcn: denn sein offenherziger Freund mußte manchenzärtlichen Tadel unterdrücken, der ihn zu sehr gekränkt hätte,weil er zu viel Ehrgeiz und Feuer und zu wenig Selbcrvcr-trauen hatte. Daher heftete sich ein Schmeichler wie Mat-thieu mit seinen Ephen-Häkchen desto fester in die Riffedieses Felsen ein. Da er ein wenig barsch den namenlosenEmanuel einen Schwärmer nannte: so sagte Viktor vondiesem heute wenig. Flamin konnte — weil er entwederein Jurist, oder ein hitziger Kopf, oder beides war — nichtsso wenig ausstchen, als Poeten, Philosophen, Hofleutc undEnthusiasten — einen ausgenommen, der alles das auf ein-mal war, seinen Sebastian Viktor.