101
„so bückt er vorher das Haupt und der Pfeil hebt blos die„Dornenkrone von seinen Wunden ab. *)
„Und mit dieser Hoffnung zieh' aus Maienthal, edle„Seele; aber weder Weltthcile, noch Gräber, noch die zweite„Welt können zwei Menschen zertrennen oder verbinden;„sondern nur Gedanken scheiden und gatten die Seelen. —„O dein Leben hänge voll Blüten! Aus deinem ersten„Paradies müsse ein zweites, wie mitten aus einer Rose„eine zweite, sprießen! Die Erde müsse dir schimmern, als„ständest du über ihr und sähest ihrem Zug im Himmel„nach! — Und wie Moses starb, weil ihn Gott küßte: so„sei dein Leben ein langer Kuß des Ewigen! Und dein Tod„werde meiner. . . . Emanuel."
„O du guter, guter Geist! (rief Viktor) ich kann dich„nun nicht mehr vergessen — du mußt, du wirst mein schwa-„chcs Herz annehmen!" Von seinen innern Saiten warensetzt die Dunsttropfcn, die ihren Klang aufhielten, abgesal-len. Sein Kopf wurde eine Helle Landschaft, in der nichtsstand, als Emanuels glänzende Gestalt. Er kam mit einemselig bewegten Angesicht spät im Pfarrhaus an; und in die-ser Glut stellte er vor seinen Zuschauern das Bild von Klo-tilden auf, dem er von einem Engel alles, sogar Flügel gab,welche ein kurzes Verweilen drohten. Seine Freundschafterhob ihn über den Argwohn eines Argwohns so sehr, daßer seinem Freunde keine wärmere und zärtere Probe dcrsel-
*) Vielleicht eine Anspielung auf das für die Phantasie lieb-liche Mährchcn, daß in Neapel ein Crucifir, da darin Al-phons 1439 belagert wurde, den Kops vor einer Kanon-kugcl neigte, die also nur die Dornenkrone nahm. Vo^ag«>l'un lrrancois, D. Vl. I>. 303.