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3 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : erstes Heftlein
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Der Ehe- und Säemann siel jetzt immer mehr in denSphärengesang der Nacht mit dem Schnarrwcrk seines Hu-stens ein; endlich machte er sich mit der enthusiastischen Freun-din Viktors fort, und ließ die beiden Freunde allein in derschönen Nacht mit den zwei vollen Herzen zurück, die in ein-ander sich zu ergießen lechzten.

Flamin hatte diesen ganzen Tag eine schweigende rüh-rende Sanftmuth gezeigt, die selten in sein Inneres kam,und die zu sagen schien: ich habe etwas auf dem Herzen.Als die Warte öder war, so verheimlichte Viktor, der vonliebenden Träumen voll und weich geworden, seine in Thrä-nen stehenden Augen nicht mehr, er schlug sie frei auf vordem ältesten Liebling seiner Tage und zeigte ihm jenes offneAuge, welches sagt: blicke immer durch bis zum Herzen hin-unter, cs ist nichts darin als lauter Liebe . . . Stumm gin-gen die Wirbel der Liebe um beide und zogen sie näher -sie öffneten die Arme für einander und sanken ohne Lautzusammen, und zwischen den verbrüderten Seelen lagen bloszwei sterbende Körper hoch vom Strome der Liebe undWonne überdeckt, drückten sich auf eine Minute die trunk-neu Augen zu; und als sie wieder anfgingen, stand dieNacht erhaben mit ihren in ewige Tiefen vcrsunknen Sonnenvor ihnen, die Milchstraße ging als der Ring der Ewig-keit um die Uncrmeßlichkeit, die scharfe Sichel des Erden-mondö rückte schneidend in die kurze» Tage und Freuden derMenschen.

Aber in dem, was unter den Sonnen stand, was derRing umzog, was die Sichel angriff, war etwas höher,fester und Heller als diese es war die unvergänglicheFreundschaft in den vergänglichen Hüllen.