215
Weiber: das kann er und mehr, sag' ich; aber von BeatensHerz werden ihn ewig alle ihre Tugenden trennen; sic wirdneben seiner Liebe zur Ministerin seine zu ihr selber garnicht sehen und nicht glauben; sie wird ihre Seele keinenOcfclschcn cmpfindclndcn Floskeln öffnen, die, wie das falscheGeld, bald zu groß sind, bald zu klein. Sie wird vielmehrfinden, mit einem ehrlichen sea» I'aul sei mehr anzufangen;sic wird, hoff' ich, besagtem Paul die Ähnlichkeit, die ermit Ocfcl in einigen Vorzügen haben mag, gern verzeihen,da er ohne seine Fehler ist, und mit einem treuen bescheide-nen Herzen vor ihr steht, daS kaum den Muth hat, ihr dasfeinste Goldblatt des Lobes leise aufzuhauchcn, und welchesschweigt, auch mißverstanden, und zurück weicht, auch ohneversucht zu haben. ..... Sie wird in ihrem Urtheile ge-rade so von den alten Landfraulein abweichen, wie ich vonden jungen Landjnnkcrn, die mit da saßen. Denn OefelsErscheinung nahm ihnen allen vorigen Witz und Verstandund sein quecksilberner Anstand goß alle ihre Glieder mitBlei aus; sie zogen in einer Falkeubaize, wo ein solcherVogel die weiblichen Herzen stieß, ihre plumpen Schwingenan sich und bewunderten vermöge der männlichen Aufrich-tigkeit statt der weiblichen Reize seine — Hingegen sem,I>a»I blieb wie er war und ließ sich nichts anhaben.
Ich würde manchen deutschen Kreis auf die Vermnthungeiner heimlichen Eifersucht bringen, wenn ich gar nichts zumLobe Oefels sagte: er versprach am nämlichen Nachmittagmeinem Zögling einen großen Dienst. Er hielt sich näm-lich, ob er gleich das alte Schloß neben der Residentin zurMicthe hatte, nicht darin, sondern im Scheeraucr Kadettcn-hause auf und rückte von Zimmer zu Zimmer, um — da