Leben zu seinen Füßen, das goldnc kriechende Leben auf allenBlättern, die lebendigen auf ihn winkenden Arme und Häup-ter der Riesenbäumc — und als der Morgenwind ihm dergroße Athen: eines kommenden Genius schien und als dieflatternde Laube sprach und der Apfelbaum seine Wange miteinem kalten Blatt bewarf — als endlich sein belastet-gehcn-dcs Auge sich auf den weißen Flügeln eines Sommcrvogclstragen ließ, der ungehört und einsam über bunte Blumenwogte und ans breite grüne Blatt sich wie eine Ohrrose ver-silbernd hing .....: so fing der Himmel an zu brennen,der entflohenen Nacht loderte der nachschlcisende Saum ihresMantels weg und auf dem Rand der Erde lag, wie einevom göttlichen Throne niedergcsunkene Krone Gottes, dieSonne; Gustav rief: „Gott steht dort!" und stürzte mitgeblendetem Auge und Geiste und mit dem größten Gebet,das noch ein kindlicher zehnjähriger Busen faßte, auf dieBlumen hin .....
Schlage die Augen nur wieder auf, du Lieber! Dusiehcst nicht mehr in die glühende Lavakugel hinein; du liegstan der beschattenden Brust deiner Mutter, und ihr liebendesHerz darin ist deine Sonne und dein Gott — zum ersten-mal sieh' das unnennbar holde, weibliche und mütterlicheLächeln, zum erstenmalc höre die elterliche Stimme; denndie ersten zwei Seeligen, die im Himmel dir entgegen gehen,sind deine Eltern. O himmlische Stunde! Die Sonne stralt,alle Thautropfen funkeln unter ihr, acht Freudenthränenfallen mit dem milderen Sonnenbilde nieder, und vier Men-schen stehen fcelig und gerührt auf einer Erde, die so weitvom Himmel liegt! Verhülltes Schicksal! wird unser Todseyn wie Gustavs seiner? Verhülltes Schicksal! das hinter