Druckschrift 
1 (1847) Die unsichtbare Loge : 1ster Theil
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

nicht über den Vater, sondern über die Tochter, und nichtdarüber, daß sie das Schachbrett nicht zum Präsentirtcllerihrer Hand und ihres Herzens machte, oder daß sie gut ge-gen ihn spielte, sondern darüber, daß sie so sehr gut spielte.So ist der Mensch! und ich ersuche den Menschen, mei-nen Rittmeister nicht auszulachen. Freilich hätt' ich dieweiblichen Reize und die Rolle Ernestinens gehabt und hätt'ich ihm, indeß er seine Kontraapprochc auösann, ins bctretneGesicht geschauet, aus dessen geründctcm Munde der Schmerzüber unverdiente Kränkung stand, der so rührend an Män-nern von Muth aussieht, sobald ihn nicht die Gichtknotenund Hautausschläge der Rache verzerren: so wär' ich rothgeworden und wäre wahrhastig gerade zu mit der Königin(und mir dazu) ins Schach hineingcfahrcn: denn was hätt'ich da geliebt als strenge Selberbüßung?

Beinahe hätte am 16. Junius Ernestine diese Büßunggeliebt, wie man aus ihrem Briefe sogleich ersehen soll.Denn allerdings ist eine Frau im Stande, zweimal 24 Stun-den lang eine und dieselbe Gesinnung gegen einen Mann(aber auch gegen weiter nichts) zu behaupten, sobald sie vondiesem Manne nichts vor sich hat als sein Bild in ihremschönen Köpfchen; allein, steht der Mann selber unkopirtfünf Fuß hoch vor ihr: so leistet sie cs nicht mehr ihrewie eine besonnete Mückenkolonne spielenden Empfindungentreibt aus einander, wider einander und in einander ein Fin-gcrhut voll Puder am besagten Mann zu viel oder zuwenig eine Beugung seines Oberleibs ein zu tief ab-gcschnittencr Fingernagel eine sich abschälende schurfichteUnterlippe der Puder-Anschrot und Spielraum des Zopfshinten auf dem Rock ein langer Backenbart alles.