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Toledo. Unfern davon lebte Mcndoza auf einem Dorfe.Sein Wohnhaus war leicht zu finden, denn Krüppel allerArt, die von ihm geheilt seyn wollten, hatten sich vor sei-ner Thür gelagert. Der Dechant sprengte sie auseinander,band seinen Maulesel an den Pfortcnring, und ging mitdem Pfaucnschritt des Stolzes ins Haus hinein.
Mcndoza, ein silberhaariger Greis, empfing ihn miternster Feierlichkeit. Er trug ein schwarzes Gewand undeinen wilden, struppigen Bart, der damals das Aushänge-schild der Weisheit war, und setzt an vielen Köpfen (diekriegerischen ausgenommen) das Handwcrkszeichcn der Thor-heit ist. — „Scnuor!" sagte Goldmund: „es ist kaumnöthig, daß ich mich Eurer Allwissenheit nenne. Ich binder Dechant von Badajoz, und gelte für einen Meister inKünsten und Wissenschaften, doch bi» ich gekommen, umEuer Schüler zu werden. Lehrt mich Eure Weisheit, diedas Gcistcrreich beherrscht, und sich sogar das widerspen-stige Glück unterwirft! Zch brenne vor Begierde, mich aufden Flügeln der Magie zu hohen geistlichen Würden zuerheben; und gelingt mir das, Sennor, so werde ich michdafür gegen Euch sehr dankbar bezeigen." —
„Dankbar?" — sagte Mcndoza mit ungläubigem Lächeln.„Die Menschen, Herr Dechant, sind ei» undankbares Ge-schlecht. Das ist ein Erfahrungssatz, den wohl am wenig-sten ein Priester widerlegen würde." —
„Was hör' ich!" rief Goldmnnd. „Ihr beschuldigt dieGlieder meines Standes vor allen andern Menschen derUndankbarkeit? — Wohlan, versuchtS mit mir! Ich werdedie Ehre meiner Amtsbrüder auf eine glänzende Weiseretten."
„Ein Wort, ein Mann!" sagte Mcndoza. „Ans diesesVersprechen will ich meinen Unterricht wagen." --