Zehntes Kapitel.Die Flucht.
Des Tischgesprächs zerrissener Faden war kaum wiederangeknüpft, als die Thür Plötzlich aufging und ein jungerOffizier, mit dem Ehrenzeichen der Tapferkeit auf der Brust,hercintrat.
„Ewald!" — schrie Lottchcn mit freudigem Entsetzenauf; die Freier starrten ihn mit versteinerten Gesichterna»; Gerhard rief: „Willkommen!" seine Gattin schlug dieHände über dem Kopfe zusammen, und die Liebenden stürz-ten einander in die Arme. Dieß Alles war das Werkeines Augenblicks, aber für die Freier ein erschütterndesSchauspiel, das sie mit langen Nachwehen bedrohte.
Ewald kam als Kourier ans dem Feldlager. Er sollteder Hauptstadt die Botschaft bringen, daß ein Waffenstill-stand geschlossen und der Friede gewiß sep. Sein Wegging am goldenen Löwen vorüber. Hier ans frische Pferdewartend, erfuhr er Gerhards und der Seinigen Anwesen-heit. Was war natürlicher, als daß er zu ihnen eilte?
Gerhard entdeckte ihm das ansgcsprcngte Gerücht vonseinem Tode. Er versicherte, daß er nicht die unbedeu-tendste Wunde aufznwcisen habe. „Aber das Osfizicrspa-tent und den Verdienstorden erhielten Sic doch gewiß nacheinem heißen Tage," versetzte Gerhard. „Das Glück thatmehr als ich," sagte der bescheidene Jüngling, und rühmtesich seiner Thatcn mit keinem Worte.