Druckschrift 
2 (1847) Thomas von Pampel. Unterhaltungen für müßige Stunden
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

-->D 188

Kein Paradies konnte ihn für diesen Verlust entschädigenund zufrieden stellen.

Sehr lieb war es ihm jetzt, daß er vor einiger Zeit dieEhre gehabt hatte, den Tod seiner Gemahlin durch dieZeitung bekannt zu machen. Er war der Erste, der dieseungereimte Redensart, die man nachher oft in öffentlichenBlättern fand und noch findet, auf die Bahn brachte.Schriebe mancher Wittwer:ich habe das Vcrgn ü g e n,"so müßte man seine Aufrichtigkeit loben. Wenigstens un-ser Hofrath freute sich höchlich, daß er sein Augenmerknun wieder auf eine reiche Hcirath richten konnte. Indieser Abficht ritt und fuhr er in der Nachbarschaft umherund machte bald ausfindig, daß der Pachtinhaber einesgroßen Kammergutes, der Amtsvcrwalter Gerhard inWcidcnbach, ein überaus reicher Mann und Vater einereinzigen Tochter scy, deren bestimmtes Hcirathsgut aufbaare dreißigtauscnd Thalcr geschätzt werde. Des Witt-wers Herz hüpfte bei dieser Kunde vor Freuden. Er hörtezugleich, daß Lottchcn Gerhard ein schönes und wohl-erzogenes Mädchen sep; doch das streifte als Nebensachefast unbeachtet bei seinen Ohren vorbei. Es bewirkte nurden Vorsatz, sich dem hübschen Kinde so hübsch als mög-lich darzustellcn.

Der Herr Hofrath war keine liebenswürdige Person.Ihn entstellten verschiedene Unförmlichkeiten, besonders aberseine ungebührlich langen Arme, womit er in der Grafschaftweit um sich gegriffen hatte. Die Hände reichten, wenner auch kerzengerade stand, bis an die Knie. Das gabihm um so mehr eine häßliche Spinnengestalt, da er nicht,wie andere Blutigcl, bei seiner ehedem getriebenen Blut-saugerei dick geworden war, sondern an Magerkeit seinesGleichen suchte. Auch sein Gesicht war so wenig cmpfeh-