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warst in deiner Jugend in diesem Punkte ein Freidenkerund scheinst es auch jetzt noch zu sepn; mir aber liegt dasWohl und Wehe meiner Tochter zu sehr am Herzen, alsdaß ich dem Wachsthum einer Leidenschaft gelassen zuschenkönnte, die das Glück und die Ruhe ihres ganzen Lebenszerstören kann." —
Wüsthof ward ernst. Er dachte an Antonien und seufzte.
„Nun, was beschließest du?" fragte Erich. „Wollenwir jetzt, da es vielleicht noch Zeit ist, zwischen unsereKinder treten und sie trennen?" —
„Nein, guter Erich!" antwortete Wüsthof. „Sic schei-nen für einander geschaffen, und so mögen sie denn nachein paar Jahren in Gottes Namen Mann und Frauwerden." —
„Wüsthof! ist das dein Ernst?" —
„Mein treuer, redlicher Ernst."
„Hab' Danks Ich erwartete kaum diesen Trost von dir,du alter Ehefeind!" —
„O, war' ich's nie gewesen!"— rief der Oberst: „Ichhätte jetzt weniger Ausgelassenheiten und Fehltritte zu be-reuen. Glücklich ist der> den frühzeitig ein geliebtes Weiban Ordnung und Häuslichkeit fesselt!" —
Die Freunde umarmten sich und nahmen noch Abrede,den Ausschlag dieser Verhandlung den Liebenden nicht zueröffnen, damit sie sich im Umgänge miteinander nicht allzufrüh als Ehegatten betrachten möchten.
26.
Einige Tage nachher übcrbrachte die Post dem Herrnvon Wüsthof einen neuen Einladnngsbrief aus Wien. Drin-gender als alle seine Vorgänger, enthielt er ein weitschwei-