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„Wer wie ich/- sprach er, „leise an eine Thüre schleichtund sich nicht meldet, der wird billig für's Horchen be-straft." -
„Nicht doch, mein junger Freund!" unterbrach ihn Erichmit ernstem Eifer: „Thun Sie sich nicht selbst Unrecht,um meine Tochter zu entschuldigen. Sie haben gewißnicht gehorcht!" —
„Ja, ich horchte wirklich!" versetzte Anton. „Aber frei-lich nur auf die harmonischen Töne dieser Harfe, die ichschon von weitem vernahm." —
„Nun, das laste ich gelten, das ist erlaubt!" rief derPachter, und aus seinen Augen leuchtete Freude, daß derJüngling keine so schändliche Handlung, wie das Horchenan Thüren unstreitig ist, begangen hatte.
Anton ritt bald darauf nach Hause; aber sein Herz bliebin Ulmenthal.
25.
Er lebte und webte nun in der goldnen Zeit der erstenLiebe. Die schöne Johanna, die ihn bei der zweiten oderdritten Zusammenkunft durch das leise Gcständniß ihrerGegenliebe beseligte, war sein einziger, langer Gedanke.Doch verträumte er deßhalb nicht unthätig die Tage; ergriff im Gegentheil jedes Geschäft, das ihm sein Vateraustrug, rascher und williger als jemals an, und erwarbsich dadurch seine höchste Zufriedenheit. Der alte, schlaueHerr wußte sehr wohl, aus welcher Quelle das wohl-thätige Feuer floß, das seinen Sohn durchströmte; er ließsich aber nie mit ihm darüber in Erörterungen ein, son-dern hatte nur im Stillen seine Freude daran.
Erich hingegen, der in allen seinen Handlungen gerade
Lnmi»em'e sämmtl. Schr. XII. Bd. 20