299
von Katz reiste des folgenden Tages nach Wien zuriick,ohne jedoch dem Vorsatz der Erbschleichern zu entsagen.
22 .
Unter der Aufsicht eines verständigen Lehrers wuchs An-ton zu einem trefflichen Jüngling auf. Hell war sein Kopf,voll Gefühl sein Herz, schlank und edel seine Gestalt. Wer-th» kannte, mußte ihn lieben. Sein Vater war stolz ansihn, und dennoch verschob er die Legitimation desselben voneinem Jahre zum andern. Er hatte hierzu keinen Grund,als daß er, immer noch bisweilen in die Gewalt des Gei-zes zuruckfallend, die Kosten scheute; denn die hochpreiß-liche Landesregierung ließ sich dergleichen Gnadcnbricsetheuer bezahlen. Fran von Katz war mit diesem Aufschubsehr zufrieden, und suchte sich von Zeit zu Zeit durch schmei-chelhafte Zuschriften, kleine Geschenke und andere Erbschlei-chcreikünste in gutem Andenken zu erhalten. Wusthof er-wies ihr Gegeiihöflichkeiten, schlug aber alle Einladungennach Wien aus, so oft und so dringend sic auch von Jahrzu Jahr wiederholt wurden. Herr von Katz, ein geadel-ter Kaufmann, besuchte deßhalb sogar seine» Schwagcrmchrmals persönlich, ohne dessen hartnäckigen Widerstandbesiege» zu können.
Einst kam er mit einem Hellen Gelächter an und wichvor dem Oberst, der ihm cntgegenging, mit burlesken Ge-berden des Erstaunens zurück. „Nein, so was lebt nicht!"rief er aus: „Eine solche Ähnlichkeit ist mir in der Weltnoch nicht vorgckommen! Ich glaube wahrhaftig, Sic kön-nen Ihre Gestalt verdoppeln!" —
Wusthof fragte natürlich, was er denn wolle?
„Denken Sie, wie mir's geht! Ich fahre ruhig meine