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Kaum dort «»gelangt, ward er von einem Gränznach-bar zu einem festlichen Mahle geladen, bei welchem derLandadel aus einem Umkreise von sechs Meilen sich ein-stellte. Der Oberst ritt zeitig hin und beobachtete, in einFenster gelehnt, die Ankunft der übrigen Gäste, die ihmmeistens fremd waren, weil er seit vielen Jahren seineHeimath nicht besucht hatte. Gewohnt an die moderneEleganz der Hof- und Stadtwclt, gaben ihm mancherleialtfränkische Figuren, die mit steifen Parade-Reverenzenauftratcn, ein erheiterndes Schauspiel.
Unter andern erschien eine ältliche Dame, die mehr, alsalle andere, dem Zcitgciste trotzte und sich seinen Gesetzenweder in Kleidung noch Sitten unterworfen hatten. Miteinem großen Ncifrocke segelte sie wie ein Schiff durch dieThür; und überhaupt war sie, vom Spitzenthurm ihrerFontange an bis zu den winzig kleinen Dcmantschnällchenihrer unmäßig hochgestclztcn Schuhe herab, ein lebendigesJournal des Lurus und der Moden des Altcrthums. Dochdie Schale hätte man allenfalls übersehen, wäre nur derKern ihrer langen, dürren Gestalt etwas genießbarer ge-wesen.
„Wer ist diese häßliche Kreuzspinne?" flüsterte Herr vonWüsthof einem Bekannten ins Ohr.
„Frau von Goldammer," antwortete dieser: „eine stein-reiche Wittwc, die sich mit hunderttausend Thalcrn nichtauskaufcn läßt und gern noch eben so viel erheirathcnmöchte. Sie, lieber Wüsthof, wären ganz ihr Manu! Ichdächte, Sie — —"
„Mich friert bei Ihrem Scherz," fiel der Oberst ein.Aber dennoch schien ihm die Dame nicht gleichgültig. Erfragte, ob ihr Vermögen in liegenden Gründen oder sichernKapitalien bestehe, und horchte mit gespannter Aufmcrk-