Druckschrift 
8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

-7-D 282 -Z-o-

wics cr alle Einwendungen zurück. Es ward eine Stundelang für und wider die Sache gestritten. Da jedoch derAntrag für die arme, verlassene Antonie allerdings vielReiz hatte, und sie den Obersten, durch seine Maske ge-täuscht, als einen braven Mann schätzte, so war cs wohlkein Wunder, daß sic am Ende nachgab und ihm mit jung-fräulicher Zucht und Ehrbarkeit einen bescheidenen Braut-kuß vergönnte.

Wüsthof war in diesem Augenblicke noch mit sich selbstuneins, ob cr das gute Mädchen, für das cr wirklich einenAnflug von echter Herzcnsliebc fühlte, glücklich oder un-glücklich machen wolle. Er hatte daher die Vorsicht, An-tonien zu bitten, sie möchte sein Verhältniß zu ihm vorder Hand noch Niemanden entdecken.^ Sie versprach's ohneArgwohn, und er schwankte mehrere Tage lang zwischenRedlichkeit und Büberei; doch neigte sich endlich die Wageseiner Unentschlossenheit fast ganz auf die bessere Seite,und cr würde wahrscheinlich dießmal sein Gelübde erfüllthaben, wenn nicht Antonie, in einer unglücklichen Stundevon ihrer Klugheit und ihrem Schutzengel verlassen, demdringenden Wollüstling eine Gunstbezeigung zugestandenhätte, die cr erst nach der Vermählung zu erwarten be-rechtiget war.

3.

Dieser Sieg dämpfte das Feuer seiner Leidenschaft; dochblieb er immer noch halb und halb geneigt, als ein ehr-licher Mann zu handeln. In dieser Stimmung beurlaubteer sich am folgenden Tage von seiner Braut und reistemit dem Versprechen, die Zeit der Hochzcitfcier schriftlichzu bestimmen, nach seinem gewöhnlichen Wohnorte zurück.