hirnlehre mit der Feder gezeichnet fand. Er war indessenauch nicht sehr neugierig darauf, sondern befürchtete imGegenthcil, daß ihm seine redselige Tochter, deren Rück-kunft in den nächsten Tagen bevorstand, mehr als zu vieldavon vorplappern werde.
Von der Tante begleitet kam sic an. Der Haushundbcwillkommte sie am Wagen und sprang mit freudigemGebell an ihr ans. Sie legte die Hand auf seinen Kopf.„O Tantchen!" — rief sie mit einem gezierten Tone, umihre großstädtische Verfeinerung einem halben Dutzend Stra-ßenjungen zu zeigen — „bestes Tantchen, fühlen Sie doch!Kann sich das Organ der Treue deutlicher aussprechcn?"— Mit zwei Hirnschädeln im Arm entstieg Madam Elster(so hieß das Tantchen) dem Wagen und las auf der Stelleein kleines öffentliches Kollegium über des Pudels Kopf,wie einst in Berlin ein gewisser Dichterling über den sei-nigcn lesen ließ.
Cyrillus ging den ankommenden Frauenzimmern bis andie Hausthür entgegen, und machte hier die Erfahrung, daßübermüthige Großstädter, die sich sehr klug dünken, biswei-len mit Kleinstädtern, die sich für einfältig halten, etwasunartigen Spaß treiben; denn als er die gelehrte Damemit den feierlichsten Scharrfüßen und Redensarten empfing,streckte sic zwei lange, dürre Finger aus, um seine Perückeabzuheben und die darunter verborgenen Organe zu prü-fen. Er rettete sich vor der Hand durch einen entschlosse-nen Rücksprung; doch oben im Zimmer mußte er hcrhal-ten. „Ach, welch herrliches Organ der Kinderliebe!" riefKlaudine. „Nun wundert's mich nicht mehr, Väterchen,daß Sie immer so gut sind!" —
„Possen!" sagte Cyrillus: „Es mag wohl Mancher einen