Druckschrift 
8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

^ 209 So-

einziges feil; doch jetzt bot er sie in Bausch und Bogenzum Kauf an und forderte zehn Thaler dafür.

Bist du klug?" sprach der Perückenmacher.Du bie-test ja deine Hand voll Haare wie Eulenspicgel sei» Pferd!"

O, verachten Sic mir meine Haare nicht!" versetzteder Knabe.Alle Leute freuen sich darüber; und ich würdesie um keinen Preis verkaufen, wenn nicht meine armeMutter in so großer Noth wäre."

Das.thut mir leid," erwicderte der Pcriickenmacher:ich kan» aber nicht mehr als fünf Thaler dafür geben.Die Zeiten sind schlecht und die Damen genau. Sie ver-langen die schönsten Perücken um ein Spvttgcld, und fra-gen nicht darnach, ob die Haare dazu auf dem Kopfe einesDösewichts oder eines guten Kindes gewachsen sind."

Der Handel zerschlug sich. Julius ging weinend fort.

Als er aus der Hausthür trat, fragte ein wohlgekleide-tcr Mann , den er nicht kannte, nach der Ursache seinerThränen. Er klagte seinen Kummer.Sagst du mir dieWahrheit?" sprach Jener.Wolltest du wirklich deine schö-nen Haare für deine Mutter ausopfern?" Julius sagtetreuherzig: Ja IDas ist brav!" erwicderte der Unbekannte.Deine kindliche Liebe rührt mich. Komm, laß uns sehen,ob wir den Handel noch schließen können."

Sic kehrten miteinander zum Pcriickenmacher zurück.Dieser verbeugte sich tief und fragte ehrerbietig, was zudes Herrn Grafen Befehl stehe.

Meine Frau wünschte längst eine blonde Perücke," ant-wortete der Graf:ich war aber immer dagegen, weil ichvor fremden Haaren, deren Abstammung mir unbekanntist, einen unüberwindlichen Eckel habe. Hier aber stieß mirei» Knabe auf, dessen Haar mir gefällt. Es kommt nurdarauf an, ob cs zu brauchen ist."

Langbcin'S sämmtl. Schr. XIl. Bd.

14