Druckschrift 
8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

191

Nun, so folge mir!" fuhr sie fort.Ich Hube Mit-lciLcu mit dir und Willrich speisen und tränken."

Rasch ging's nach Hause. Ihre Kinder und Dienst-boten sahen den unsaubcrn Gast, de» sie mitbrachte, mitgroßen Augen an, - und erstaunten noch mehr über dieaußerordentlichen Anstalten, die zu seiner Verpflegunggemacht wurden. Sie steckte einen Braten an den Spieß,bereitete dem Fremdling ein warmes Bad, schenkte ihmden Schlafrock und die Sammtmütze des seligen Herrn,und schrieb das alles auf Rechnung der christlichen Liebe.

Während der Zeit wollte Bärbchcns Zofe den jungenMenschen abholcn; aber die Stätte war leer. Sie glaubte,das würde nicht viel ans sich haben, und ging getrostheim. Zwei Stunden nachher kam ihre Gebieterin.Nun,wo ist der arme Wicht?" fragte sie, und ihre rollendenAuge» suchten ihn in allen Winkeln. Das Mädchen be-richtete: sie habe ihn nicht gefunden.O, du heillosesGeschöpf!" rief Barbara;wo hast du dich unter Wegesverweilt? Hast du mit einer andern Dirne geschwatztund deiner Herrschaft bösen Leumund gemacht oder miteinem Buhler getändelt? Eins von beiden! Ich kenneDeine Schliche. Aber ich sage dir, cs ist dein Unglück,wenn du nicht augenblicklich läufst und den Menschen mirbringst!"

Das unschuldige Mädchen wollte sich verantworten; aberBarbara ergriff eine Ofengabcl und jagte sie damit indie Flucht.

Ist das nicht ein Lärm um einen lumpigen Bettler!"schimpfte die Dirne und entsprang.

Als sie vor dem Bajonett der zürnenden Heldin ge-sichert war, ging sie ganz gemächlich nach dem Platze, woValentin einige Stunden zuvor frühstückte. Sie forschte