ruch, daß sie von der ganzen Stadt wie giftige Schlangengeflohen wurden. Desto inniger hielten sie zusammen, be-gleiteten einander auf allen Wegen und Stegen, theiltensich jedes Gehcimniß mit, und waren überhaupt die ver-trautesten Freundinnen. Es schien unmöglich, daß sie sichjemals entzweien könnten, und dennoch kam es bei fol-gender Veranlassung zwischen ihnen zum Bruch.
Sie gingen einst, als sie noch beide über ihre nothge-drungene Ehelosigkeit sehr mißlaunig waren, mit einanderin die Kirche. Der Weg führte sie über einen öffentlichenMatz. Hier saß ein junger, in Lumpen gehüllter, aberwohlgebildcter Landstreicher, der nicht älter als achtzehnoder neunzehn Jahre sepn mochte, auf einem Steineund aß mit dem besten Appetit ein Stück schwarzes Brod.Da es eben hinreichte, um satt zu werden, so nahm ersich nicht die Mühe, die beiden Freundinnen um eine Gabezu bitten. Aber sie selbst redeten ihn an und erkundigtensich nach seinem werthcn Namen.
Er nannte sich Valentin Schleuder.
»Wer sepd Ihr?" fragten sie weiter.
„Meines Handwerks ein Bettler;" war die Antwortaus lachendem Munde. «
„Wo sepd Ihr zu Hause?"
„Das kann ich so eigentlich nicht sagen. Mein Vater-land ist überall."
„Könnt Ihr nicht arbeiten?"
„Ich hab's noch nicht versucht."
„Was soll denn aus Euch werden?"
„Daran dacht' ich nie."
„O, Ihr sorgloser Mensch! Es kann Euch noch übelin der Welt ergehen."