Druckschrift 
8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

das Haupt fehlte, das für sic gesorgt und gearbeitet hatte.Eine neue Kolonie von Hausvätern war daher unentbehr-lich; aber woher sollte sie kommen? Der Krieg hatte imganzen Lande unter den Männern stark aufgeräumt undjeder Ort litt Mangel daran. Doch gab cs noch in vie-len Häusern, wo die Herren ausgestorben waren, rüstigeGesellen und Knechte, die in jeder Betrachtung zu Haus-und Ehcwirthen tüchtig gewesen wären, wenn sich die Witt-men hätten überwinden können, sie zu diesen Ehrenstcllcnzu erheben. Aber keine wollte mit der Herablassung zueiner solchen Mißheirath den Anfang machen. Nur Stolz,nichts als leidiger Stolz stand dem-Glück der wassern Bur-schen im Wege; denn die guten Männer, die auf demBette der Ehre gestorben waren, wurden nach und nachvergessen, und die meisten Wittwen bekannten laut: siewürden ohne Bedenken zur zweiten Ehe schreiten, wennein standesmäßiger Freier erschiene.

Die Geistlichen, die keinen Groschen von Hochzeiten undKindtaufen einnahmen, und deßhalb nicht länger geduldigzusehen konnten, fuhren endlich den eigensinnigen Weibernscharf durch den Sinn. Sie ermahnten nicht nur untervier Augen zu christlicher Dcmuth, sondern donnerten auchauf der Kanzel gegen Hoffarth und Eitelkeit, und legtender weiblichen Gemeine dringend an's Herz, aus der Notheine Tugend zu machen und sich ohne Verzug zum Hei-rathen zu entschließen.

Dieser Eifer that Anfangs keine Wirkung. Aber wieWassertropfen, die von einer Höhe herabfallen, nach undnach einen Stein aushöhlen, so wurden zuletzt auch dieharten Herzen erweicht. Die Frau Bürgermeisterin (oderStadtmeisterin, wie man sic damals nannte) leuchtete denandern Wittwen mit einem guten Beispiele vor. Sie rief,