Die Erbschaft.
Dippold, ein Kaufmann von altem deutschen Schrot undKorn, war ein Muster von Redlichkeit. Er verschmähtedie lockendsten Gelegenheiten, sich aus eine unrcchtliche Artzu bereichern, und gab jedem, der in seinem Laden cin-sprach, volles Maaß und Gewicht. Diese kaufmännischeTugend rühmte man allgemein an ihm, und das erprobteVertrauen auf seine strenge Rechtschaffenheit führte ihmoft mehr Kunden zu, als er befriedigen konnte. Auf die-sem Wege ward er reich; denn es bewährte sich an ihmder Erfahrungssatz: daß derjenige Kaufmann am Meistengewinnt, der sich mit den kleinsten und billigsten Vorthci-len begnügt.
Als der wackere Dippold ungefähr dreißig Jahre langHandelsgeschäfte getrieben und dabei sparsam gewirthschaf-ket hatte, war er Herr einer Tonne Goldes, und kein er-wucherter oder erlisteter Pfennig befand sich darunter. Abernun sehnte sich der edle Greis nach Ruhe. Die treue Ge-hülfin bei seinen Geschäften, sein braves Weib, war ge-storben, und seine drei erwachsenen Töchter dünkte» sichzu vornehm, im Waarengcwölbe zu erscheinen und ihman die Hand zu gehen. Sie zeigten sich lieber müßig am