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8 (1847) Zeitschwingen : mit sechs Stahlstichen
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verlor nach und nach die Lust, ihre Jugend in ungeselli-ger Einsamkeit zu vertrauern, und wünschte sich wiedereinen wackcrn Gatten, um der Welt und ihren Freudenmit Anstand genießen zu können. Denn die Sitte jenerZeit gebot den Wittwen die strengste Eingezogenheit, undschränkte sie, wenn ihnen böser Leumund nicht gleichgültigwar, fast ganz auf den Umgang mit ehrbaren Matro-nen ein.

Die Sinnesänderung der schönen Lndomilla ward baldbekannt, und ihre Verehrer wagten sich wieder mit neuenBewerbungen heran; es blieb aber bei dem vorigen Be-scheide, weil alle diese Herren zum niedern Adel gehörten,und die Gräfin gesonnen war, ans der Rangleiter nichtabwärts, sondern höher zu steigen.

Hierzu öffnete sich ihr eine glänzende Aussicht. Der Her-zog von Baiern ward von ihrer Schönheit gefesselt undhuldigte ihr durch eine förmliche Liebeserklärung. DieserSieg freute sie mehr, als sie es gestand. Sie übereiltesich nicht mit einer günstigen Antwort. Zu stolz, einengewöhnlichen Roman zu spielen, faßte sie sogleich denVorsatz, die Saiten so hoch als möglich zu spannen, unddem Herzog keinen Kuß zu erlauben, wenn er ihn nichtdurch ihre Erhebung zu seiner rechtmäßigen Gemahlin er-kaufte. Wie haben sich Sitten und Zeiten geändert! Allesin der Welt ist jetzt thcurer als damals, nur die Küssesind wohlfeiler geworden.

Ludewig mochte wohl nicht Willens sepn, eine flüchtigeSchäferstunde um einen so hohen Preis zu kaufen. Erließ sich wenigstens kein Wort davon verlauten, sonderndrang nur immer mit verliebter Heftigkeit darauf, ihmeinen Besuch unter vier Augen zu gestatten. Ludomilla