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denn sie war nicht gewohnt, so zeitig schlafen zu gehen.Mich überfiel eine plötzliche Bangigkeit. Ich flog dieTreppe hinauf, stand mit beklemmter Brust vor der Thür,durch die ich so oft mit fröhlichem Herzen gegangen war,und hatte nicht den Muth, die Klingel zu bewegen. FünfMinuten kämpfte ich mit der Furcht, ein Unglück zu er-fahren, und schalt mich zugleich einen Thoren, daß ich wieein Kind vor einem Schatten bebe. Jetzt zog ich rascham Drahte, und fuhr über den wohlbekannten Ton derSchelle so erschrocken zusammen, als ob ein unerwarteterDonnerschlag krachte.
Ich mußte lange klingeln, che ich inwendig eine Be-wegung vernahm. Endlich hörte ich Sabinen kommen.Ich rief meinen Namen — die Thür flog auf — ich fragtehastig nach Karolinen.
„Ist Sie denn nicht bei Ihnen?" fragte die Me, undtrat bestürzt zurück.
Bei mir? — ries ich schaudernd.
„Allmächtiger Gott!" schrie Sabine. „So haben Sieeinander in Hamburg nicht getroffen? — Das Fräuleinist Ihnen ja schon vor drei Wochen mit der Tante nach-gereist." —
Ich vermag nicht, mein Entsetzen zu schildern. MeineZunge war gelähmt — .ich konnte nur in einzelnen Töneneine nähere Erklärung fordern.
Langbein'S sänimtl. Schr. XII. Bd.
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