Er ward deßwegcn allgemein gehaßt; denn die arrogantenSchwätzer seines Gelichters waren damals seltener alsheutiges Tages, da man cs ganz gewohnt worden ist,dergleichen freche Hummeln schwärme» zu sehen und zuHoren. Zu jener Zeit ärgerte man sich noch über sic,und jetzt — lacht man.
Ich fand, wie gesagt, an dem Gemüthc meines neuenFreundes manchen Flecken; aber seine Gabe der Unter-haltung bestach meinen jugendlichen Leichtsinn und fesseltemich an ihn. Wir besuchten einander oft, und trafenjeden Abend im Schauspiclhause oder an andern Belusti-gungsortcn zusammen.
Dieß änderte sich, seitdem ich Karolinen kannte. Ichwar nun Abends bei ihr, und unsichtbar für die ganzeübrige Welt. Bolda machte mir darüber Vorwürfe, unddrang auf Rechenschaft, wie und wo ich meine Zeit zu-bringe. Ich hütete mich, ihm die Wahrheit zu gestehen,und sann immer auf neue Ausflüchte. Das gab denntäglich einen verdrießlichen Streit. Jeden Morgen pei-nigte er mich mit Vorschlägen, wie wir uns am Abendvergnügen wollten. So ward er mir nach und nach sehrlästig, und ich knirrschte vor Verdruß mit den Zähne»,wenn ich ihn kommen sah. In einer so mißlaunigcnStimmung erklärte ich ihm eines Tages, daß er entwederseine Jnquisitorrolle aufgcben, oder dem Anspruch aufmeine Freundschaft entsagen müsse. Er ward nun be-scheidener, und wir blieben Freunde.