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hatte. Alle ihre Worte und Handlungen zeugten von Gut-müthigkcit. Sie nahm an dem Kummer jedes UnglücklichenTheil, und sandte zum Beispiel ihrer Tante, von der sicdoch gcmißhandclt worden war, ihr ganzes weniges Ta-schengeld, ohne dafür einen Dank zu erwarten; denn siethat cs in namenlosen Briefen, weil ich ihr untersagt hatte,der Frau von Ralf ihren Aufenthalt wissen zu lassen. —Ihr weiches Gefühl konnte keinen Wurm leiden oder inGefahr sehen. Wie oft fiel sie mir bittend in den Arm,wenn ich nach lästige» Insekten schlug! Wie oft trug sie,wenn der Winter begann, eine ermattete Fliege vom kal-ten Fenster nach der wärmern Gegend des Ofens! — Undsolche barmherzige Samariter-Handlungen übte sie nicht,wie manches andere Frauenzimmer, mit gezierter und ge-schwätziger Empfindsamkeit ans, sondern verbarg sie sorg-fältig vor mir, weil ich über dergleichen Lebcnsrcttungenzuweilen gespottet hatte. — Ihre Licblingsblumc, die Rose,bewunderte sie nur am Stocke, denn es that ihr weh, siezu brechen; und mit der pünktlichsten Sorgfalt tränkte sietäglich de» kleinen Garten vor ihrem Fenster. Sie hättelieber selbst gedurstet, als dieß unterlassen.
Die Erinnerung der frohen Stunden, die ich mit diesemguten Kinde verlebte, umschwebt mich noch jetzt wie einparadiesischer Traum. Alle Belustigungen, die mich vor-her bezaubert hatten, schienen mir dagegen kalt und herz-los, und verloren für mich ihre ansichende Kraft. EinBlick in Karolinens blaue Augen, wenn sic mit kindlicherZärtlichkeit vor mir knicetc und meine Hand dankbar a»SHerz drückte, galt mir mehr als aller Pomp des Schau-spiels und der Oper. Der sanfte Klang ihrer Harfe schienmir der höchste Triumph der Tonkunst; ihr einfacher, na-türlicher Gesang das Lied eines Engels. Ich liebte sie