Druckschrift 
1 (1822)
Entstehung
Seite
VIII
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V1N

Cinleitun g.

Gestalt von dem die Formen neidisch bergenden Ge-stein entblost, wenn er durch Machtgebot der Kunstdie Fessel sprengt des an rauhe Felswand geschmie-deten Genius.

Doch nicht genug! Es mag der Mensch em-pfangen oder geben, genießen oder schassen; stetsbleibt er unersättlich in seinem Streben.

Nicht will es ihm genügen, daß die vonschöpferischer Phantasie, nach äußern Eindrücken,nach sinnlich erfaßten Bildern, geformtenIdeale als Kunstprodukte lohnend ihn bekränzen;daß so das öde freudenleere Reich der Wirklichkeitfrohlockend ihn umfange; daß die aus innerstem Ge-müthe ihm gewordne Welt als zweites Ich ihmwinke, und so der Grundton seines Eigenlebens nachtausendfacher Brechung aus allen Thälern her ihmwiederhalle in unbefleckter Reinheit. Der Götter-freuden satt, schielt er, in seinem nie zu stillendenVerlangen, neugierig nach dein Grunde der Dingehin. Ja selbst des Ideales Zauber will er lösen.Er meint der Grund der Dinge und des Seynslasse sich erspähen, und das Gesetz bestimmen, wor-nach was ist auch so seyn müsse. In diesemWirkungskreise, wähnt der Stolze, behaupte sich derMensch erst als Beherrscher der Natur.

In seinem anmaßlichen Streben nach Erkennt-niß, in seinem gierigen Verlangen nach Begrei-fen und Erklären, wendet er sich frostig ab vonder ihnr holdzulächelnden Natur, tritt unaufmerksam