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9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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Die gnädige Frau hatte sonst vor dem Thtcrchcn gar kei-nen Scheu; da ihr aber diesmal wohl leid scpn mochte,daß cs ihrem schönen Spitzen- und Blumcnaufsatz ebensogehen könnte, wie Ew. Gnaden Haare, so sprang sie zu-rück, und hopp! hopp! immer weiter zurück, bis sic endlichplumps! die Treppe rücklings hinuntcrstürztc. Ich schrie:Ach, daß Gott erbarm! und lief und sprang ihr nach;aber das Unglück war schon geschehen. Sie lag da mitverzerrtem Gesicht, und ich würde sie für ganz todt ge-halten haben, wenn sie mir nicht in dem Augenblick, alsich sic aufrichtcn wollte, eine derbe Ohrfeige gegeben hätte.Jetzt kamen Ew. Gnaden dazu und sahen alles selbst.Gott Hab' sie selig, die gnädige Frau! Sic wird wohldas Genick morsch entzwcigebrochcn haben."

Und an diesem kitzelichcn Fleck hatte sie auch wirklichFreund Hain gepackt, wie ein herbei gerufener Wundarzt,zwar nicht mit den schlichte», einfältigen Worten des Mäd-chens, sonder» in einer gelehrten, anatomischen Vorlesungversicherte.

Der Kapitän faßte sich wie ein Mann, und ließ Schmerzund Traurigkeit nicht so mächtig über sich siegen, daß erdadurch zu den Begräbnißanstalten unfähig geworden wäre.Es ist zwar gewiß, daß er seinen gewöhnlichen soldatischenDoppclschrittcn, die sonst das ganze Haus erschütterten,Einhalt that, und so leise wie ein betender Mönch hcrum-schlich; es ist ferner ausgemacht, daß er seine natürlichedonnernde Stimme zu halblauten Tönen dämpfte, undein ähnliches stilles Bezeigen allen seinen Hausgenossenempfahl: aber freilich weiß man auch, daß ihm einigeSpottvögel nachsagtcn, er treibe dieses Klosterwcscn nichtaus Bctrübniß, sondern aus Furcht, daß seine Gemahlin