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Mitternacht der Amtmann, dem Delinquenten die Sterbe-kleider anzulegen. Das war für den Stockmeistcr unddessen Gehülfen kein leichtes Geschäft. Der Gefangene bißund schlug um sich wie ein Besessener. Doch Plötzlich stander still, alle seine Gebeine zitterten und er ward bleich,wie ein Todter. Er ermannte sich aber nach einigen Mi-nuten wieder und griff nach dem Weinglase. „Gesundheitallerseits!" rief er und trank. Dann sah er starr die Um-stehenden an und sagte bitter: „Nun, jetzt bin ich dochwahrlich unter saubere Gesellen gerathen." —
Indessen war sein Anzug vollendet und er warf sichaufs Bett. Die Anwesenden stimmten das Lied an: ESist nun aus mit meinem Leben rc. Da fuhr er hastig auf,rasselte mit den Ketten, stürzte sich hin nach den Singen-den und schrie: „Haltet euer Maul und inkommodirt michnicht mit solchem Geplärr!" Diese Raserei trieb er, bisihn alle verließen.
Nur der oben erwähnte Aktuar, der einzige Mensch,mit dem er noch manchmal vernünftig und gelassen redete,blieb bei ihm. „Das ist gut," fing er an, daß wir einkluges Wort unter vier Augen sprechen können. HörenSic, mein Herr, ich will Ihnen zweihundert und dem Amt-mann fünfhundert Thaler geben, wenn ihr mir helft.""
Der Aktuar stellte ihm die Unmöglichkeit seiner Rettungvor, und reichte ihm ein Gebetbuch. Das warf er wegund sagte: „Gehorsamer Diener! Beten Sic für sich!"
Nun war sein Todestag, der dreißigste Oktober 1724,
" Dieses Ansinnen mar UNI so lächerlicher, da er kein Ver-mögen besaß und aus dem Fiskus unterhalten werbenmußte.
Langbein'S sammtl. Schr. XIII. Bd.
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