320 S-o-
sachtcn, plötzlich wieder unterdrückt. Er riß sich aus seinerstillen Lage empor, blickte wild nach der Thür, sang lustigeLieder, schlug mit seinen Ketten den Takt dazu und geber-dcte sich überhaupt so sinnlos, daß ihm die Hände hinterdem Rücken gefesselt werden mußten.
Diesen Zwang ertrug er nur fünf Minuten. Alsdannbat er, ihn davon zu befreien und versprach ruhiges Ver-halten. Jetzt wurden einige fremde Personen zu ihm ge-lassen. Er sah sic nach der Reihe an, fragte nach ihremNamen und erinnerte sich dabei verschiedener Begebenhei-ten , die er mit Lebhaftigkeit und Zusammenhang erzählte-
Unter den Anwesenden befand sich auch ein schwedischerOfficicr, der ihn so anrcdcte: „Ich wundere mich, HerrLandsmann, daß Sic die evangelische Religio» verlassenund sich zur katholischen gewendet, oder vielmehr allenReligionen entsagt haben. Noch mehr aber befremdet mich,daß Sic nicht mit gesetztem Muth, wie ein wackerer Held,sondern mit Fluchen und Toben, wie ein betrunkener, ge-meiner Soldat, dem Tod entgcgengehen. Sie sind ihmoft ans Schlachtgefilden unter die Augen getreten; warumsuchen sie ihm jetzt durch Wendungen, die Ihnen nichtshelfen und Schande machen, auSzuwcichcn? Wollen Sienicht als Christ sterben, so sterben Sie doch wenigstensals Philosoph, der sich durch Standhaftigkeit Bewunderungund Mitleidcn erwirbt." —
G" belächelte höhnisch diese vernünftige Rede und ant-wortete mit kalter Höflichkeit: „Es ist mir viel Vergnügen,in so angenehmer Gesellschaft eine Nacht hinzubringen.Ich wollte, wir wären zusammen in Hamburg, daß wirrin gutes Glas Wein trinken könnten."
Um diese Frechheit zu dämpfen und ihm das ernste Dtlddes Todes näher vor die Augen zu rucken, befahl gegen