^ 305
wovon Einer als Hauptmann noch im Dienste stand,der andere aber verabschiedet war. Er stellte ihnen,um sie nicht anfangs gleich vor dem gefährlichen Wagestückscheu zu machen, den vorhabcnden Mädchenraub als eineleichte Sache vor. „Laßt uns ihn," sprach er, „nicht mitGewalt, sondern durch folgende List ausführen. Wir ge-hen zusammen in M"°''s Wohnung. Einer von euch gibtsich für eine» Auditeur, der andere für einen Officier vonder Dresdner Garnison aus, und ihr sagt keck und frei:Der Landesherr habe euch befohlen, meine Tochter sammtihrer Großmutter nach Dresden zu bringen, wo der bis-herige Streit zwischen mir und ihnen gerichtlich ausge-macht werden solle. Die Alte müsse» wir schlechterdingszur Mitrcise einladcn, weil sie uns in keinem Falle dasMädchen allein anvcrtraut. Sorgt aber nicht, wir wollensie unter Weges schon wieder los werden. Denn sobaldwir ungefähr eine halbe Meile — ihr mit den beidenFrauenzimmern fahrend, und ich nebenher reitend — zu-rückgclegt haben, lasse ich halten und locke die Großmut-ter aus dem Wagen, indem ich mich anstelle, als ob ichihr einen geheimen Aufsatz, dessen Inhalt Niemand hörendürfe, verlesen wolle. Habe ich sic nun auf diese Manierzwanzig oder dreißig Schritte entfernt, dann fahret ihrmit verhängten Zügeln fort; ich werfe mich eben so schnellauf mein Pferd, und so lassen wir das betrogene Weibheulend und jammernd auf dem Wege stehen." —
Diese Unternehmung schien den Officicreu selbst mehrlustig als gefährlich, und sie ließen sich dazu anwcrbcn.Dafür versprach ihnen der Oberstlicutcnant — nach seinergewöhnlichen, großsprcchcnde» Art — von Berlin aus,wohin er sich zu wenden dachte, ihr Glück zu machen.
Es war aber kcineswegcs seine Absicht, in den Schran-Lnngbein'S samintl. Schr. XIII. Bd. 20