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9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
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die Chiromantie." Diese Anerkennung war den beidensicbenzigjährigcn Alten um so angenehmer, da er seineTochter reichlich beschenkte. Ucberdieß wußte er die began-gene Untreue gegen deren Mutter so überredend zu ent-schuldigen, daß M und dessen Frau völlig mit ihmausgcsöhnt wurden, und sich diese Zusammenkunft besserendigte, als man erwartet hatte.

Er stattete nun fleißige Gegenbesuche in Oelsnitz ab.Dabei gab er sich ein überaus väterliches Anschn, lastäglich mehrere Stunden lang mit Ulriken die Bibel undermahnte sic zur Tugend und guten Sitten. Ihm selbstentschlüpfte zwar zuweilen ein kräftiger Soldatcnfluch oderein unsittliches Gasscnlied: sobald aber die frommen Altenihr Mißfallen darüber äußerten, bat er sie um Verzeihungund versprach, sich zu bessern. So gewann er ihr Herz.Sic wünschten, er möchte seine Tochter legitimiren lassen,und er war sofort willig dazu.

Indem man aber darüber Unterhandlungen Pflog, zeigtesich der fromme Herr von einer sonderbaren Seite. Esschien, als ob er Ulriken die nun in ihrem fünfzehntenJahre stand und ein schönes, blühendes Mädchen warmehr als väterlich liebe. Während der biblischen Vorle-sungen zog er sie oft auf seinen Schooß und küßte sie mitder zärtlichsten Inbrunst. Die Alten, vor deren Angener sogar dergleichen Unverschämtheiten ausübte, schütteltenhierüber die Köpfe, brachten Ulrikens Legitimation nichtmehr zur Sprache, und begegneten ihm überhaupt vonjetzt an mit dem sichtbarsten Kaltsinn. Sie hofften, ihndadurch ohne Zank und Geräusch los zu werden; er aberward desto zudringlicher, jcmchr sie sich zurückzogen und dasMädchen von ihm zu entfernen suchten. Anfangs dauertenfeine Besuche gewöhnlich nur einige Tage; zuletzt blieb er