sie ihre Tochter keine Ausbruche von Zorn empfinden.Sie selbst hielten den Lieutenant für einen redlichen Mann, "der sein Wort nicht brechen, sondern bald durch Vollzie-hung der versprochenen Hcirath die Schande der Gefalle-nen wieder austilgen würde. Allein mit jeder folgendenWoche, die ohne Nachricht von ihm vorübcreilte, ward derSchimmer dieser angenehmen Hoffnung dunkler. Das un-glückliche Mädchen verbrauchte einen Briefumschlag nachdem andern und erhielt keine Antwort. So trostlos, ge-bar sie 1708 eine Tochter, die Ulrike G " getauft wurde.
Die Lage der arme» Verlassenen verschlimmerte sich nunvon Tage zu Tage. Sic hatte bisher — was die Liebeso gern thut — immer noch gehofft, immer noch den Ge-liebten entschuldiget, und sich eine Kette von Hindernissengedacht, die ihn umschlungen und cs ihm unmöglich ge-macht haben könne, zu kommen oder zu schreiben; alleinjetzt, da er binnen einem vollen Jahre nichts von sichhören ließ, jetzt war seine Treulosigkeit entschieden. DieArme litt um so mehr, da nun auch ihre Eltern demmenschenfreundlichen Grundsätze, die Betrübten nicht nochmehr zu betrüben, ganz entgegen handelten. Sie bestürm-ten die Jammernde mit Vorwürfen über den begangenenFehltritt. Jeder Bissen, den sic aß, ward ihr damit ver-salzen, jeder Pfennig, der zum Bedürfniß ihres Kindesausgegeben werden mußte, mit hcrzschneidcnden Wortenhingcworsen. Gegen alle Bekannte klagten die erbittertenLeute über ihre ungcrathenc Tochter, und mißhandelten siesogar vor den Augen des Hausgesindes. So ward dieUnglückliche ein Gegenstand der allgemeinen Verachtung.
Nach drei oder vier durchweinten Jahren warb ein ehr-licher Landmann um ihre Hand. Sic gab sie ihm mitFreuden; denn er war ihr ein rettender Engel, der sie
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