-»§> 213 S-o
Namensschwestcr sie war. Ihre Lorgncttenfcindschaft ent-stand daher aus bloßer Sittsamkeit.
Dennoch war, seltsam genug, die einzige Mannsperson,mit der sic freundlich sprach, ein alter Herr, der sogarden Himmel mit Augengläsern beguckte. Er war Pro-fessor der Sternkunde und mein nächster Nachbar. AlleAbende, die er nicht zur Musterung des Heeres der Ge-stirne brauchte, verschwatzt' er bei uns, und sah meinemWeibchen immer so tief in die schwarze» Augen, als ober sie für ein Paar neu aufgcgangcne Sterne hielt.
Ich war auf den alten Graukopf eben nicht eifersüchtig,wollt' aber doch wissen, ob er mir wirklich ins Gehegeginge. In dieser Absicht putzt' ich einmal Abends wievon ungefähr das Licht aus. Hierauf tappt' ich, um esin' der Küche wieder anzuzündcn, durch's Zimmer, undstrich meiner Frau über die rothen Bäckchen einen tüchti-gen Schnurrbart von Lichtschnuppc. Diese Antastung könnt'ihr nicht auffallcn; denn was ist natürlicher, als Jeman-den zufälliger Weise in's Gesicht zu greifen, wenn manim Dunkeln den Weg mit de» Händen sucht? — DieFolge bewies auch, daß sic meine Malerei nicht gemerkthatte; denn als ich mit dem Lichte znrückkam, sah ich meineErwartung, daß sie dem Sterngucker einen Thcil davonabgcbcn würde, vollkommen erfüllt.
Der alte verliebte Faun hatte, wie man schon errathenhaben wird, während meines kurzen Aufenthalts in derKüche mein Weibchen geküßt, und sich bei dieser brünstigenSchnäbelei einen gräßlichen Schnautzbart geholt. SeinGesicht war dadurch in eine Harlekinsfratze verwandelt,die zu der ernsthaften Professormiene, welche er bei mei-ner Rückkunft wieder anuahm, so drollig abstach, daß ichmich hätte vor Lachen wälzen mögen.