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Unter unfern Hausfreunden befand sich ein junger Of-ficier, der oft bei uns einsprach und von meinen Elternimmer mit lebhaftem Vergnügen empfangen ward. EinesTages sah ich ihn, als mein Vater eben auf der Börsewar, in das Zimmer meiner Stiefmutter gehn. Ich dachtenicht weiter daran, und es fiel mir erst nach einer Stundewieder ein, da ich mir von Mamachen ein Frühstück aus-biitcn wollte und ihre Thür verschlossen fand.
„Sollte der Qfficier schon wieder fort und Mama viel-leicht ausgegangcu seyn?" dacht' ich und spähte durch'sSchlüsselloch. Da sah ich denn aber, daß Beide noch imZimmer waren und auf dem Sopha eine Gruppe bilde-ten , die meiner kindischen Unerfahrcnheit bloß lächerlichvorkam. Ich klopfte ganz unbefangen an, ward jedochnicht eingelassen und mußte hungrig abzichn.
Bald nachher kam mein Vater heim, und ich erzählt'ihm mit argloser Geschwätzigkeit, was Mama und derHerr Lieutenant unterdessen für neckische Possen getriebenhätten. Ich bemühte mich, die ganze Scene nach dem Le-ben zu schildern, und glaubte, mein Vater würde sich vorLachen den Bauch halten. Allein er lachte nicht, sondernrunzelte verdrüßlich die Stirn und schalt mich einen dum-men Jungen, der geträumt haben müsse.
Hierauf ging er mit starken Schritten in meiner Stief-mutter Zimmer, und war noch nicht fünf Minuten darin,als sic mit einem Furicnblick hcrausstürzte und mich sograusam mißhandelte, daß ich betäubt zur Erde fiel. Selbstdas Lieutcnantchcn fuhr mir auf den Hals, und nahmsich heraus, mir einen Stockschlag zu versetzen. MeinVater, der ein Mann von vielen guten Eigenschaften,aber ein muthloser Pantoffclsclav war, spielte dabei dieverächtliche Rolle eines unthätigen Zuschauers.