wenige Stunden darauf, Lei cinbrcchender Nacht, von mei-ner Verwandtin an die Thür des Findclhauses gelegtward." —
Hier schwieg sie, und ich schickte sogleich nach Gerichts-pcrsoncn, in deren Gegenwart sie ihre Aussage wiederho-len mußte. Zum Glück ließ ihr der Tod noch so vielZeit, ihre Beichte zu endigen. Im nächsten Augenblickstarb sic.
Die Weibsperson, die dich ausgesctzt haben sollte, wardauf der Stelle gesanglich cingezogcn, und gestand, mitder Verstorbenen ganz einstimmig, die That. Das Pro-tokoll des Findclhauses enthielt auch die Nachricht, daß andem angegebenen Tage ein Knabe vor der Thür gefundenund aufgehoben worden scp. Du wardst mir also ohneweiteres Bedenken wieder überliefert. Der untergeschobeneBankert hingegen mußte das Haus räumen; doch hatt'ich den unglücklichen Knaben so lieb gewonnen, daß ichcs nicht über's Herz bringen konnte, ihn im Mangel undElend umkommcn zu lassen. Ich bestimmte daher einekleine Summe zu seiner »othdürftigc» Erziehung.
Sieh, mein Sohn, auf diese schändliche Art wärest dubeinah' in deiner frühste» Kinrheit ein Opfer weiblicher Ei-telkeit geworden. Ich wünsche, daß du von diesem Geschlechtkeine weitern Kränkungen in deinem Leben erfahren mögest!"
So schloß mein Vater. Sein Wunsch ist aber leiderunerfüllt geblieben, und er selbst trug nicht wenig dazubei. Denn nachdem er zehn Jahre Wittwer gewesen war,verband er sich wieder mit einer jungen Person, i» dersich alle stiefmütterliche Untugenden vereinigten-
Anfangs schien sie mir nicht abhold. Ein einziger Vor-fall brachte mich aber um ihre Gnade und bereitete mireine Hölle auf Erden.