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„Ncin, eine so große Verbrechen» bin ich nicht;" warihre Antwort: „Er lebt — im Findelhanse." —
„Im Findelhanse? — Wie ist das möglich?" fragt' ichvoll Erstannen.
„Lassen Sie mich, ohne Unterbrechung," — sagte siebittend — „meine letzten Kräfte anwcnden, Ihnen alleUmstände zu entdecken.
Ich überließ, um den vortheilhaftcn Ammendienst inIhrem Hause annehmen zu können, meinen neugebornenSäugling der Erziehung einer Verwandtin. Mein leicht-sinniges Vergeben, daß er todt sey, hatte anfangs keineandere Absicht, als allen Bedenklichkeiten und Einwendun-dcn von Ihrer Seite zu begegnen. Kaum bemerkt' ichaber zwischen Ihrem Sohn und dem mcinigen eine auf-fallende Achnlichkeit, so gerieth ich sofort ans den ruchlo-sen Gedanken, beide gegen einander zu vertauschen. —
Ich würde mich jetzt selbst weniger verabscheuen, wennblinde Affenliebe gegen mein Kind mich dazu verleitet hätte.Nein, mich blendeten bloß Habsucht und Eitelkeit. Ichwollte meinem Jungen zu Ihrer Erbschaft verhelfen, ummit der Zeit durch ihn eine vornehme und reiche Damezu werden. —
Zur Ausführung dieses unüberlegten Plans wählt' ichden ersten ,Tag, da cs mir erlaubt ward, Ihr Söhnchenan die freie Luft zu tragen. Ich eilte zu meiner Ver-wandtin, entkleidete mein Kind von den Lumpen, womitcs bedeckt war und trug es, mit Werts Windeln undWäsche geschmückt, in Ihr Haus zurück. —
Sic begegneten mir auf der Treppe und ich zittertevor augenblicklicher Entdeckung meines Verbrechens. Dochbemerkten sic meine Augst so wenig, als den Äindcrtausch.Sie küßten meinen armen Bastard, als Ihren Albert, derLangbctn'S sämmtl. Schr. XIll. Bd. 13