Druckschrift 
9 (1847) Feierabende : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

18 s

fragte Angelika höchlich erstaunt:Ich glaube, du bistvoll süßen Weins! Diese lächerliche Botschaft kann dir derRitter unmöglich an mich aufgctragcn haben."

Doch, doch;" versetzte der Knappe:und der edle Herrthat's mit den ausdrücklichen Worten: Er kenne den Mo-loß, daß er gewaltig um sich beiße, wenn man ihn zumReiiklcpper brauchen wollte. Ihr solltet daher diese Kurz-weil ja nicht versuchen."

Nachdem er so gesprochen hatte, warf er sein Roß her-um und flog wieder zur Pforte hinaus.

Wach' ich oder träum' ich?" sprach hierauf Angelikamit sich selbst:Des Ritters Einfall ist so wunderbar,daß ich ihn lieber für einen abenteuerlichen Traum haltenmöchte. Was will er damit sagen? Ist es nicht genug,daß ich ihm bisher jeden Wunsch und Willen an den Au-gen absah und ihm in allen rechtlichen Dingen gchorsamtc?Hab' ich damit verdient, daß er nun die Gränzen seinerGewalt immer weiter ausdehnt und den launenhaften,übcrmüthigen Gebieter spielt? Ha, ich merke, man thutnicht wohl, wenn man allzu geschmeidig nachgibt! DasWürmchen, das sich im Staube krümmt, wird getreten.Nein, Herr Ritter, so weit soll cs doch mit uns nichtkommen! Euch zum Possen will ich auf dem Moloß rei-ten , was mir sonst in tausend Jahren nicht eingefallenwäre."

Hier ward sic im Selbstgespräch unterbrochen; dennein Diener meldete, daß Bruder Nicolaus im Vorgcmachftp.

Ich kann seinen Besuch heute nicht annchmen;" sagteHngo's Gattin:denn mein Gemahl ist abwesend. Ent-schuldiget mich dcßwegcn bei dem ehrwürdigen Herrn undbittet ihn, morgen wieder zu kommen."