-->§> 28 <§- 2 -
lcncn Händel hätten ihn etwas verstimmt. Sie scp zwarblos die unschuldige Veranlassung dazu gewesen; er habejedoch bei solchen, ihm höchst widrigen Begebenheiten, sei-nen llumuth so wenig in der Gewalt, daß cs ihm sehrschwer, fast unmöglich werde, ganz gerecht zu scpn undnicht bisweilen Schuld und Unschuld zu verwechseln. Siehabe daher an seiner Achtung nur scheinbar verloren, under werde nach wie vor ihr Freund seyn, wenn sie fort-fahre, sich so sittsam wie bisher zu betragen.
Nach diesem Gespräche suchte der gutherzige Mann seinselbst erkanntes Unrecht durch zuvorkommende Freundlich-keit zu verbessern. Dich that aber auf Marianen eineentgegengesetzte Wirkung. Sein höflicher Ton schien ihrzwangvoll und erkünstelt; sic glaubte die vorige Herzlich-keit darin zu vermissen. Dieses Gespenst der Einbildungverfolgte die Anne bei Tag und Nacht und machte sietraurig und muthlos. Vergebens bemühte sich MadameBerger, sie zu beruhigen. Das furchtsame Mädchen wardgegen Wolfram immer mehr scheu und zurückhaltend. Derscharfsinnige Mann bemerkte das bald. Es mißfiel ihm;und so war das vorige gute Verhältnis; zwischen Beidendurch einen schlechten Mensche» gestört, der sich indessenzu neuem Unheil rüstete.
Eines Tages trat Plötzlich ei» Unbekannter in Maria-nens Zimmer, schob eine» Brief ans den Tisch und ent-fernte sich eilend. Die Aufschrift war an Marianen; siekannte aber weder Hand noch Siegel, und trug um somehr Bedenken, den Umschlag zu erbrechen, da sic Gelddarin fühlte. Sie ging endlich in das Zimmer der Ma-dam Berger und eröffnctc in deren Gegenwart das erhal-tene Päckchen, das zwanzig Dukaten und folgenden Briefvon Kammerjunkcr Windhorst enthielt: